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Startseite Webmasters AkademieBlog Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht

Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht Monika Beck

von Monika Beck in Papiertiger
am Donnerstag, 24. Februar 2011 um 12:57
Tags: Bildungsprämie des Bundes , Qualifizierungsscheck Hessen , Qualifizierungsscheck NRW , Weiterbildung Förderung

Die gute Nachricht vorweg, jedenfalls für euch, die ihr euch weiterbilden möchtet: nichts von dem, worüber ich hier klage, muss euch interessieren. Die Bildungsprämie des Bundes bzw. die Qualifizierungsschecks der Länder, das bedeutet für euch einfach: wer erwerbstätig ist, unter den Einkommensgrenzen liegt (Näheres hier) und selbst Zeit und Geld in seine Weiterbildung investiert, bekommt einen Zuschuss von max. 500 Euro im Jahr. Wir als Bildungsinstitut nehmen die Prämiengutscheine entgegen, jedenfalls dann, wenn sie formal korrekt ausgestellt sind, und holen uns das Geld, das wir euch nicht berechnen, von den entsprechenden Behörden zurück.

So ist das jedenfalls gedacht.

In der Praxis generiert es einen Verwaltungsaufwand, mit dem wir locker ein paar Tochterfirmen gründen oder, noch viel besser, ein paar richtig gute Ideen umsetzen könnten.

Ich habe hier gerade einen kleinen Berg solcher Gutscheine auf meinem Schreibtisch liegen, jeder Gutschein mit einem halben Dutzend Anlagen, das  Ganze sortiert in drei ordentlichen Stapeln:

  • Qualifizierungsschecks aus Hessen, einzulösen bei der "Weiterbildung Hessen e.V." in Frankfurt
  • Bildungsprämien-Gutscheine des Bundes, einzulösen beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. in Bonn [sic!]
  • Ein Qualifizierungsscheck aus NRW, einzulösen, wie ich nach ein wenig Detektivarbeit herausgefunden habe, bei der Bezirksregierung Münster/Außenstelle Herten, jedenfalls in diesem konkreten Fall (beim nächsten isses anders, aber jetzt weiß ich ja, wo ich gucken muss).

Hat mich den halben Nachmittag gekostet, ganz zu schweigen davon, dass einige der sensibleren Kollegen schon den Kopf zur Tür hereingesteckt haben - "alles in Ordnung bei dir?" - ich habe hier nämlich eine Glastür im Büro. Aber jetzt geht es schon wieder.

Und dann habe ich ein wenig herumtelefoniert - weil ich grade an dem Thema dran war, wie man schön sagt - und habe mal nachgefragt, was eigentlich mit den Gutscheinen los ist, die wir im ersten Halbjahr 2010 angenommen und vor ziemlich genau 6 Monaten zur Erstattung eingereicht haben. Die also sozusagen demnächst ihr einjähriges Jubiläum haben.

"Der Zuwendungsbescheid ist soeben an Sie rausgegangen!" sagte mir eine freundliche Dame am Telefon.

Das ist gut. Ein wenig Zuwendung kann man wahrhaftig brauchen nach all der Zeit.

Monika

 

Kommentare (5)

von Weiterbildung Hessen e.V.

am Mittwoch, 09. März 2011, 11:08

Sehr geehrte Frau Beck,

vielen Dank, dass Sie über das Förderinstrument „Qualifizierungsschecks“ berichten. Auch uns ist es ein großes Anliegen, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher umfassend über das Förderinstrument informiert sind, denn es unterstützt die Weiterbildungswilligen mit einem Zuschuss von bis zu 500,00 Euro für eine Fort- und Weiterbildung. Wer zur Zielgruppe gehört und welche Maßnahmen gefördert werden finden Sie unter: http://www.qualifizierungsschecks.de/

Es ist uns bewusst, dass mit der Vergabe des „Qualifizierungsschecks“ und dessen Abrechnung durch die Weiterbildungseinrichtung für diese ein gewisser Verwaltungsaufwand entsteht. Die Vergabe von Fördermitteln und Fördergeldern bedarf immer der Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Das Förderinstrument „Qualifizierungsschecks“ ist schließlich, so wie auch andere Förderinstrumente, an bestimmte Kriterien gebunden. Weiterbildungseinrichtungen können von der Vergaben von Förderinstrumenten unseres Erachtens vor allem profitieren, denn durch die Kofinanzierung einer Fort- und Weiterbildung kann die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Weiterbildungseinrichtung steigen.

So wie Sie Ihren Beitrag in „Gut gemeint ist noch langen nicht gut gemacht“ formulieren, könnte die Leserin oder der Leser den Eindruck gewinnen, dass sie auf die Erstattung der bei uns eingereichten „Qualifizierungsschecks“ bis zu einem halben Jahr warten müssen. Dies entspricht nicht den Tatsachen. In der Regel werden die Gelder zur Erstattung der „Qualifizierungsschecks“ nach Eingang der vollständigen Unterlagen innerhalb von fünf bis zehn Werktagen angewiesen.

Sollten Sie andere Erfahrungen gemacht haben, sprechen Sie uns bitte an.

Mit freundlichen Grüße

Weiterbildung Hessen e.V.

von Monika Beck

am Mittwoch, 09. März 2011, 17:01

Qualifizierungsschecks der Länder und Bildungsprämie des Bundes - Liebe Kolleginnen und Kollegen von "Weiterbildung Hessen", vielen Dank für Ihren Blog-Kommentar, Sie waren mit meiner Schelte in der Tat nicht gemeint!

Als ich vor einiger Zeit den ersten Qualifizierungsscheck aus Hessen in die Finger bekam und gar nicht wusste, was ich damit anfangen sollte, habe ich von Ihnen schnell und kompetent Auskunft bekommen, und den ersten Scheck von Ihnen haben wir erst Ende Februar zur Abrechnung vorgelegt. Soviel also zur Ehrenrettung von "Weiterbildung Hessen e.V."

Um einfach mal Ross und Reiter zu nennen: es ist die "Bildungsprämie des Bundes", auf deren Auszahlung wir so lange gewartet haben.

So. Und neben dieser Bundes-Prämie gibt es das Gleiche in Grün auch in diversen Bundesländern, wenn auch nicht in allen - jeweils eigene Vorgaben, Abrechungsmodalitäten und Behörden, die die Prämien auszahlen (wenn sie es denn tun).

Ich finde, eine finanzielle Unterstützung für Leute, die Zeit und Geld in Ihre Weiterbildung investieren, ist eine richtig gute Sache, und sie wird ja auch gern in Anspruch genommen.

Ich frage mich nur, ob der Verwaltungsaufwand wirklich so hoch sein muss... und ob man ihn multiplizieren muss dadurch, dass jedes Bundesland hier noch zusätzlich sein eigenes Süppchen kocht!

von Monika Beck

am Mittwoch, 16. März 2011, 13:36

Update für "Weiterbildung Hessen e.V.":

Meine Kollegin, die die Buchhaltung im Blick hat, erzählt mir soeben, dass wir tatsächlich einen Zahlungseingang von den Kollegen aus Hessen haben. Gut zwei Wochen, nachdem wir den Gutschein dort vorgelegt haben.

So geht es also auch; herzlichen Dank an die Kolleginnen und Kollegen aus Frankfurt! Was auch immer ihr anders macht als andere - euer Modell wird hiermit heftig zur Nachahmung emfohlen.

von frank

am Dienstag, 19. Juli 2011, 08:44

Wir schulen Computerprogramme und haben auf Anfrage hin für Kurse die Bildungsgutscheine angenommen. Eingereicht haben wir die Scheine im November 2010 und bis heute (Juli 2011) noch kein Geld erhalten. Nach einem 3/4 Jahr!!!

Auf telefonische Nachfrage im März wurde uns gesagt, dass das Geld im April kommen würde. Nichts passierte.

Da muss man sich doch mal fragen was das soll. Wenn der Staat Geld von einem bekommt und das nicht sofort bezahlt wird machen Sie einem gleich das Konto dicht, ohne viel Federlesen. Wenn es aber anders rum ist machen sie mit einem was sie wollen.

Fazit: Ein riesiger Papierkrieg, dann ewig kein Geld, wenn überhaupt noch was kommt. Für uns gilt: Nie mehr nehmen wir solch einen Gutschein an!

von Monika Beck

am Dienstag, 19. Juli 2011, 09:28

dankeschön für deinen Beitrag, Frank; gut zu wissen, dass wir nicht der einzige Bildungsanbieter sind, der über sich über das Prozedere beim Einlösen der Prämiengutscheine ärgert.

Wir haben hier schon ernsthaft überlegt, ob wir nicht
a) die Bildungsgutscheine annehmen, um unsere Kunden nicht zu verärgern
b) die Dinger so, wie sie bei uns eintrudeln, in den Papierkorb werfen, um uns das ganze Theater beim Einlösen zu ersparen. Arbeitszeit kostet schließlich auch Geld (nämlich unseres).

Irgendwie wächst sich in diesem Land jede gute Idee sofort zu einem bürokratischen Monster aus. Ich bin mir sicher, das ginge alles sehr viel einfacher, wenn solche Programme nicht von der Ur-Angst regiert wären, es könnte jemand in den Genuss eines Vierteleuros kommen, dessen Zuteilung nicht von irgendwelchen hoheitlichen Institutionen auf Herz & Nieren geprüft... ach ja.

Ich kann euch übrigens guten Gewissens die Quali-Schecks aus Hessen empfehlen: die Kolleg/innen dort erledigen die Erstattung rasch & unbürokratisch. Es geht also!

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